|
Jahrmarkt 2007
Das 7500 Jahre alte Skelett des 6-jährigen Jungen, das 1985 bei Ausgrabungen in
Schwanfeld gefunden wurde, übergab Prof. Dr. J. Lüning nach Abschluss der daran nötigen Untersuchungen im August 2007 an die Gemeinde Schwanfeld.
Das Skelett wird in einer Vitrine für alle Besucher sichtbar im Prähistorischen
Ausstellungsraum im Rathaus einen würdigen Platz finden.
|
|
|
|
Frankfurter Archäologen entdecken eine neue Kreispalisade in Unterfranken/Bayern
Bei einer zweiwöchigen Lehrgrabung des
Seminars für Vor- und Frühgeschichte der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt unter Leitung von Prof. Dr. Jens Lüning wurde im August 2003 eine schon im Vorjahr durch geomagnetische Messungen entdeckte,
kreisförmige Grabenanlage genauer untersucht; sie liegt in Schwanfeld, Landkreis Schweinfurt in Unterfranken (Nordbayern). Es stellte sich heraus, dass sie zur Großgartacher Kultur (4900-4800 v. Chr.)
gehört und aus einer ehemals 4-6 m hohen Holzpalisade bestand, die einen Kreis von 98 m Durchmesser bildet. Die Palisade war aus 35-45 cm starken, runden Holzstämmen errichtet worden, die dicht nebeneinander in
einem 70 cm breiten und ehemals 1,80 m tiefen Graben standen. Die Anlage besitzt im Norden, Osten und Süden je einen schmalen Eingang, im nicht untersuchten Westen vermutlich einen
vierten. Die Ausrichtung nach Himmelsrichtungen ist typisch für diese Zeit und muß für die Schwanfelder Anlage noch genauer analysiert werden.
Von außen und von innen sind an die Holzmauer rechteckige Gruben mit flachem Boden
„angebaut“ worden. Sie wurden erstmals bei einer Kreispalisade entdeckt, und sind, nach etwas jüngeren Beispielen, zweifellos aus religiös-rituellen Gründen anlässlich von Festlichkeiten oder
auch bei besonderen Ereignissen (z.B. soziale Spannungen, extreme Wetterlagen) als
„Opfergruben“ ausgehoben worden. Im Innern des Palisadenringes zeigt der geomagnetische Plan zahlreiche große und kleine Gruben, die für diese Zeit typisch sind, es fehlen aber jegliche Hausgrundrisse.
Diese befinden sich in der nur 20-30 m
entfernten, zugehörigen Siedlung, die aus mindestens 8 Häusern mit schiffsförmigem Grundriß von 20 m Länge bestand. Die Verbindung von Dorf und Palisadenring ist bisher erst sehr selten nachgewiesen worden.
Derartige Kreisanlagen haben ihren Verbreitungsschwerpunkt entlang der Donau zwischen Nordungarn/Slowakei durch Niederösterreich/Mähren bis nach Niederbayern. In zunehmender Zahl werden
sie neuerdings aber auch weiter nördlich bekannt, vor allem durch die Luftbildarchäologie, und zwar aus Nordbayern (Unterfranken), Böhmen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und sogar aus Brandenburg an der Oder.
Die Kreisanlagen werden als politisch-soziale Mittelpunkte von größeren Siedlungskammern
gedeutet, an denen die Bewohner der umliegenden Siedlungen zu Jahresfesten, religiösen Feiertagen und Gerichtstagen zusammenkamen, womit zweifellos auch Märkte für den Warenaustausch verbunden waren.
Frankfurt am Main, 22.8.2003-08-22
Prof. Dr. Jens Lüning
|
|